Nanna Starck

The Jewel Box

15.08.2026 - 18.10.2026

Die Ausstellung The Jewel Box lässt die Kunsthal Thy zu einer Schatulle werden, die die Schmuckstücke bewahrt, die Nanna Starck für diesen Anlass produziert hat. Sie hängen wie die Glieder einer Kette von der Decke herab und kleiden als raue Reliefs die Wände. Den weiblichen Körper tragen sie als Ornament. Er ist der Ausgangspunkt für Nanna Starcks künstlerische Praxis. Denn es ist ihr eigener Körper, der ihre künstlerischen Arbeiten realisiert und so den gedanklichen Ursprung ihres Schaffens bildet.

An den Arbeiten an den Wänden der Kunsthal Thy wird deutlich, dass sich Nanna Starck nicht für die Perfektion des weiblichen Körpers interessiert. Denn die Spannung ihrer Arbeiten entsteht vielmehr dort, wo sie die perfekte Oberfläche des Körpers aufbricht. An den Stellen, wo sie die porösen, rauen, rissigen und blasigen Eigenschaften ihrer Materialien ernst nimmt und aus ihnen Öffnungen in das Innere der Körper entstehen lässt, die zu Rissen, Höhlen und Kanälen werden. Verletzlichkeit als Teil der menschlichen Existenz wird so nicht als Makel, sondern als Möglichkeit einer tieferen Einsicht in den Körper ins Bild geholt. Die gesellschaftlichen Konventionen, die Nanna Starck mit der Öffnung ihrer Körper durchbricht, thematisiert sie, indem sie die Rahmen ihrer Körperdarstellungen zum Teil der Arbeit werden lässt, innerhalb derer sich die Leiber, die fragmentierten Gliedmaßen und Torsi über das Menschenmögliche hinaus verformen.

Für die Ausstellung in der Kunsthal Thy setzte sich Nanna Starck mit lokalen Sagen und sagenumwobenen Frauenfiguren auseinander. Es sind Geschichten von Frauen, die über Generationen weitererzählt wurden: Frauen, die häufig am Rand der Gesellschaft standen, deren Lebensweise als fremd, gefährlich oder nicht regelkonform wahrgenommen wurde und die deshalb als Hexen oder unheimliche Gestalten beschrieben wurden. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Sage der Ellefrau aus Lindholm. Sie lebte allein mit zwei roten Kühen auf einem Hügel. Den Bauern, die sie vertreiben wollten, versprach sie Wohlstand, wenn sie sie in Ruhe ließen und Unheil, wenn sie versuchen würden, sie zu vertreiben. Betrachtet man die Geschichte nüchtern, so könnte sie auch von einer Frau erzählen, die nicht heiratete, keine Familie gründete und sich selbst versorgte. Eine derartig selbstbestimmte Lebensform konnte in früheren Zeiten so sehr von gesellschaftlichen Erwartungen abweichen, dass sie als bedrohlich wahrgenommen wurde. Das Ausstellungsprogramm 2026 der Kunsthal Thy wird unterstützt von: Der Blick auf alleinstehende, eigenständige Frauen hat sich im Laufe der Jahrhunderte zum Glück verändert. Und doch sind Spuren vergangener Ausgrenzungen bis heute wirksam. Noch immer werden Frauenkörper bewertet, objektifiziert und öffentlich gelesen. Noch immer werden Frauen, auch in Macht- und Führungspositionen, anders betrachtet als Männer.

Die Körper, die Nanna Starck für die Kunsthalle Thy formt, bannt sie in quadratische Elemente aus teilweise transparentem Kunststoff. Die Reliefs hängen in unterschiedlich langen Serien wie ein auseinandergerissenes Gliederarmband von den Balken der Kunsthalle herab. Sie erinnern an Schmuckstücke, die nicht nur geschaffen wurden, um der Trägerin selbst zu gefallen, sondern auch, um sie zu überdauern, über Generationen in einer Familie zu bleiben und damit die Erinnerungen an alle Trägerinnen weiterzugeben: Ein Band, das die Geschichten heutiger Frauen mit denen ihrer Vorfahrinnen verbindet.

Bio
Nanna Starck, geboren 1976 in Frederiksberg, studierte von 1998 bis 2004 an der Königlichen Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen. Ihre Arbeiten waren unter anderem in Soloausstellungen im Ringsted Galleri, in der Tranen in Gentofte sowie in der Galleri Maria Friis in Kopenhagen zu sehen. Darüber hinaus nahm sie an zahlreichen Gruppenausstellungen teil, darunter im Statens Museum for Kunst, im Fuglsang Kunstmuseum, in Nikolaj Kunsthal, im Museum Sønderjylland – Kunstmuseet i Tønder, in Sophienholm, in den Dansehallerne Kopenhagen sowie international unter anderem in Los Angeles, Leipzig und beim Seoul International New Media Festival. Ihre Werke sind in den Sammlungen des SMK und des Kunstmuseums Brandts vertreten und wurden von der Ny Carlsberg Stiftung sowie vom Statens Kunstfond angekauft.

Die in der Ausstellung präsentierten Werke wurden von Kunsthal Thy in Auftrag gegeben. Ihre Produktion wurde von der Dänischen Kunststiftung und der Fake Foundation gefördert.

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